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GKV oder PKV als Selbstständiger 2026: Was du wirklich zahlst

Als Angestellter ist die Krankenversicherung eine Gehaltsabrechnung-Fußnote. Als Selbstständiger wird sie zum zweitgrößten Fixkostenblock nach der Miete und zu einer Entscheidung, die du selbst treffen musst. Die Zahlen für 2026 liegen auf dem Tisch. Rechnen wir.

Die freie Wahl: Was für Selbstständige anders gilt

Angestellte können erst in die PKV wechseln, wenn ihr Gehalt über der Versicherungspflichtgrenze liegt. 2026 sind das 77.400 € im Jahr. Für dich als hauptberuflich Selbstständigen gilt diese Hürde nicht. Mit der Aufnahme der Selbstständigkeit endet die Versicherungspflicht, und du wählst frei: freiwillig in der GKV bleiben oder in die PKV wechseln. Unabhängig davon, ob dein Gewinn bei 25.000 € oder 250.000 € liegt.

Diese Freiheit hat eine Kehrseite: Niemand zahlt mit. Der Arbeitgeberanteil, der bei Angestellten die Hälfte des Beitrags übernimmt, existiert für dich nicht. Egal ob GKV oder PKV, die volle Rechnung landet bei dir. Immerhin lässt sich ein großer Teil davon steuerlich absetzen.

Was die freiwillige GKV 2026 kostet

In der GKV richtet sich dein Beitrag nach dem Einkommen, und zwar nach allen Einnahmen, nicht nur dem Gewinn aus der Selbstständigkeit. Auch Mieteinnahmen und Kapitalerträge zählen mit.

Die Eckwerte für 2026:

Rechengröße Wert 2026
Beitragsbemessungsgrenze (BBG) 69.750 € / Jahr bzw. 5.812,50 € / Monat
Höchstbeitrag KV + PV (kinderlos, mit Ø-Zusatzbeitrag) ca. 1.261 € / Monat
Mindestbemessungsgrundlage 1.318,33 € / Monat
Mindestbeitrag KV + PV ca. 260 – 278 € / Monat

Zwei Punkte daran verdienen Aufmerksamkeit.

Der Höchstbeitrag trifft dich früher, als du denkst. Ab einem Gewinn von 69.750 € im Jahr (also rund 5.813 € im Monat) zahlst du den Maximalbeitrag. Jeder Euro Gewinn darüber ist beitragsfrei. Ein Berater mit 120.000 € Jahresgewinn zahlt denselben GKV-Beitrag wie eine Texterin mit 70.000 €.

Der Mindestbeitrag läuft auch im schlechten Jahr weiter. Die Kassen unterstellen dir ein fiktives Mindesteinkommen von 1.318,33 € im Monat, selbst wenn dein Gewinn darunter liegt. Wer ein Jahr lang fast nichts verdient, zahlt trotzdem rund 260 € monatlich. Für Gründungsphasen und Durststrecken ist das spürbar, aber kalkulierbar.

Dafür bekommst du das, was die GKV ausmacht: beitragsfreie Familienversicherung für Kinder und Ehepartner ohne eigenes Einkommen, einkommensabhängige Beiträge, die mit dem Geschäft atmen, und einen Leistungskatalog ohne Gesundheitsprüfung.

Was die PKV kostet, und wovon das abhängt

Die PKV koppelt den Beitrag komplett vom Einkommen ab. Was zählt: dein Eintrittsalter, dein Gesundheitszustand bei Antragstellung und der gewählte Tarifumfang. Eine gesunde 32-jährige Entwicklerin bekommt einen soliden Volltarif je nach Leistungsniveau und Selbstbehalt für 450 bis 650 € im Monat. Ein 48-jähriger Gründer mit Vorerkrankungen kann beim selben Leistungsumfang deutlich über dem GKV-Höchstbeitrag landen oder Risikozuschläge kassieren.

Der entscheidende Mechanismus: Dein PKV-Beitrag bleibt gleich, wenn dein Gewinn einbricht. Was bei 120.000 € Jahresgewinn eine Ersparnis gegenüber der GKV war, wird bei 35.000 € zur Belastung. Die GKV würde mitschrumpfen, die PKV nicht. Sie kennt zwar Auffanglösungen (Selbstbehalt erhöhen, Tarifwechsel, notfalls Standardtarif), aber alle kosten Leistung oder Komfort.

Nicht vergessen: Die Absicherung bei Krankheit

Ein Posten fehlt in vielen Vergleichen, obwohl er für Selbstständige existenziell ist: das Einkommen bei längerer Krankheit. Als Selbstständiger hast du keine Lohnfortzahlung. Wenn du 6 Wochen flach liegst, liegt auch dein Umsatz flach.

In der GKV kannst du per Wahlerklärung den Anspruch auf Krankengeld sichern, das ab dem 43. Krankheitstag fließt und sich nach deinem Einkommen richtet. In der PKV brauchst du dafür einen eigenen Baustein: das Krankentagegeld, dessen Höhe und Startzeitpunkt du selbst festlegst. Beides kostet extra und gehört in den ehrlichen Beitragsvergleich hinein. Ein PKV-Angebot ohne Krankentagegeld gegen einen GKV-Beitrag mit Krankengeldanspruch zu stellen, vergleicht Äpfel mit Birnen.

Der Rechenvergleich an zwei Beispielen

Beispiel 1: IT-Freelancerin, 34 Jahre, gesund, Gewinn 95.000 €

In der GKV zahlt sie den Höchstbeitrag: rund 1.261 € monatlich, also 15.132 € im Jahr. Ein leistungsstarker PKV-Tarif kostet sie 580 €, mit Krankentagegeld 640 €, also rund 7.680 € im Jahr. Differenz: etwa 7.450 € jährlich. Selbst wenn man Rückstellungen für Beitragssteigerungen im Alter einplant, bleibt ein deutlicher Vorteil. Für sie ist die PKV rechnerisch klar attraktiv, solange der Gewinn stabil bleibt und keine Familienversicherung gebraucht wird.

Beispiel 2: Handwerksmeister, 41 Jahre, zwei Kinder, Gewinn 55.000 €, Ehefrau in Teilzeit

Sein GKV-Beitrag liegt bei rund 1.000 € monatlich, die Kinder sind beitragsfrei mitversichert. In der PKV bräuchte jedes Familienmitglied einen eigenen Vertrag: er selbst vielleicht 620 €, jedes Kind rund 150 bis 200 €. Schnell stehen 950 bis 1.100 € auf der PKV-Seite, ohne den Einkommens-Puffer der GKV, wenn das Geschäft schwächelt. Hier spricht wenig für den Wechsel.

Die Faustlinie dazwischen: Je höher und stabiler der Gewinn, je kleiner die mitzuversichernde Familie und je jünger und gesünder du beim Einstieg bist, desto eher rechnet sich die PKV. Kippt einer dieser Faktoren, kippt oft die ganze Rechnung.

Die Langfrist-Frage: Einmal PKV, schwer zurück

Ein Punkt gehört in jede ehrliche Abwägung: Die Entscheidung ist nicht symmetrisch. Von der GKV in die PKV kommst du als Selbstständiger jederzeit. Der Weg zurück in die GKV ist dagegen versperrt, solange du hauptberuflich selbstständig bist, und ab 55 wird er fast unmöglich. Wer mit 38 in die PKV wechselt und mit 52 merkt, dass die Beiträge drücken, hat wenige Optionen.

Auch die Rente spielt mit: Langjährige PKV-Zeiten verbauen meist den Zugang zur günstigen Krankenversicherung der Rentner. Das ist kein Ausschlusskriterium, aber es bedeutet, dass die PKV-Entscheidung eine Vorsorgeentscheidung einschließt: Die Ersparnis von heute gehört zum Teil in Rücklagen für die Beiträge von morgen, nicht ins Konsumbudget.

Wie der formale Wechsel abläuft und welche Fristen gelten, steht im Artikel zum Wechsel von der GKV in die PKV.

Fazit: Erst den Gewinn ehrlich schätzen, dann entscheiden

Der Beitragsvergleich 2026 in einem Satz: Die GKV kostet dich zwischen 260 € und 1.261 € im Monat, je nach Gewinn. Die PKV kostet, was Alter, Gesundheit und Tarif ergeben, unabhängig davon, wie dein Jahr läuft.

Bevor du Angebote vergleichst, beantworte drei Fragen: Wie stabil ist mein Gewinn über die nächsten 10 Jahre realistisch? Wer muss mitversichert werden? Und lege ich die PKV-Ersparnis tatsächlich zurück? Wer alle drei Fragen überzeugend beantwortet, kann mit der PKV viel Geld sparen. Wer zögert, fährt mit der einkommensabhängigen GKV oft entspannter.


Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Versicherungs- oder Steuerberatung. Beiträge und Rechengrößen beziehen sich auf das Jahr 2026 und können sich ändern.